Bier verkosten - Anleitung & Tipps für eine Bierverkostung
Die bekannteste Art, Bier zu genießen beginnt mit einem tiefen Zug aus dem Glas. Das ist reines "Gefühl" und sehr befriedigenden. Niemand will in einer solchen Situation über sein Bier nachdenken. Eine andere Art des Biergenusses beginnt mit der Freude an der Vielfalt. Jeden Tag dasselbe essen? Eine furchtbare Vorstellung, selbst wenn es sich dabei um die Leibspeise handelt! Warum also immer dasselbe Bier trinken? Die folgende Anleitung soll allen, die noch nicht so oft Bier mit Aufmerksamkeit verkostet haben, Anregungen dazu geben.

1.) Richtiger Treffpunkt, richtige Zeit
Die Auswahl der Location ist natürlich wichtig, in erster Linie sollten Sie aber beachten, dass Sie eine Möglichkeit haben, Gläser zu reinigen, das Bier zu kühlen und nicht zu vergessen ist die gute öffentliche Erreichbarkeit. Denn nach einer Bierverkostung sollten Sie das Autofahren lassen: anders als beim Wein werden die Proben nämlich auch getrunken und nicht ausgespuckt. Wählen Sie für Ihre Bierprobe einen hellen Ort. Wichtig ist frische Luft, damit keine anderen Gerüche die Nase irritieren können - im Verkostungsraum darf deshalb verständlicherweise auch nicht geraucht werden. Beginnen Sie mit der Verkostung am Nachmittag. Um diese Uhrzeit ist die Verdauungstätigkeit des Magens abgeschlossen. Bei den meisten Menschen ist das etwa fünf Stunden nach dem Mittagsmahl.
2.) Gesellschaft
Fünf bis zehn Gäste, das ist eine angenehme Zahl, um eine lockere, leckere Bierverkostung zu betreiben. Tipp: schauen Sie doch einfach einmal in Ihrer persönlichen Lieblingsbrauerei vorbei und bitten den Braumeister um ein paar Muster von Hopfen, Malz und Hefe. Präsentieren Sie diese Ihren Gästen in kleinen Schälchen. Nicht nur das fertige Bier, auch die Rohstoffe weisen Unterschiede auf.
3.) Temperatur, Gläser, Probebögen
Nur ein richtig temperiertes Bier bringt den vollen Trinkgenuss. Dunkle, starke Biere sollten 13 bis 15 Grad Celsius haben, helle Biersorten 8 bis 10 Grad Celsius. Als Degustationsglas eignet sich am besten ein dickbauchiges, sich nach oben verjüngendes Stielglas (Rotweingläser), hier können sich die Aromen optimal entfalen und direkt in die Nase des Genießers emporsteigen. Die Gläser vorher und zwischendurch mit klarem Wasser ausspülen oder wechseln. Eine Bierverkostung ist ein Fest für die Sinne - Ihre Lieben werden überrascht sein, was wir Menschen alles mit unseren vier Sinnen erleben können. Damit sich Nase und Gaumen zwischendurch entspannen, sollten Sie zwischen den Proben ausreichend stilles Wasser reichen. Neutralisierend wirkt außerdem Weißbrot oder Knäckebrot. Bereiten Sie für jeden Biergenießer Verkostungsbögen oder einen Notizblock sowie Stifte vor, damit alle ihre Eindrücke festhalten können.
Als speziellen Service haben wir gemeinsam mit der Bier-Bewertungsplattform Bier-Index einen Verkostungsbogen erstellt, der die Bierverkostung sehr erleichtert. Sie können ihn sich hier runterladen & ausdrucken: Download Verkostungsbogen
4.) Für Anfänger: offene Verkostung
Für den Anfang ist es sinnvoll, nicht zu viele Biere zu verkosten. Empfehlenswert: jeweils ein Bier aus insgesamt 4 bis 7 verschiedenen Bierstilen. Die Sorten sollten sich in Farbe und Geschmack deutlich unterscheiden.
Unsere Vorschläge aus verschiedenen Bierstilen:
- Ale: Forstner Styrian Ale, Gusswerk BIO Triple AAA, Bierzauberei Red Alien Ale
- India Pale Ale: Bierzauberei California IPA, Gusswerk Nicobar IPA
- Barley Wine: Forstner Bonifatius-Barrique, Forstner 5 vor 12 Barley Wine, Gusswerk BIO Dies Irae
- Bockbier/Starkbier: Eggenberger Samichlaus Bier, Loncium Schwarze Gams, Kaltenböck Kramperlbock
- Zwicklbier/Kellerbier: Gratzer Johann, Gusswerk Jakobsgold
- Märzen/Helles/Lager: Haselbräu Helles, Loncium Austrian Amber Lager, Korneuburger Original
- Pils: Schnaitl Pils de Luxe, Bierzauberei Cascade Pils
- Dunkles Bier: Schnaitl Dunkles, Gusswerk Klosterdunkel, Gratzer Hermann
- Weißbier: Krimmler helles Weizen, Mei liabste Weiß
-
Stout: Forstner Dry Stout, Schwarzbraeu Black Ram Stout

Die Bierverkostung selbst verläuft in einem festen Schema. Dieses sollten Sie Ihren Gästen vorstellen und es gemeinsam in aller Ruhe zelebrieren. Zuerst wird die Reihenfolge der Bierproben festgelegt: für Gaumen und Nase ist es angenehmer, wenn leichte Biere vor schweren und liebliche, junge vor Jahrgangsbieren angeboten werden. Das jeweilige Bier wird benannt, danach betrachtet, dann riecht man daran und zuletzt darf man es trinken. Die Sinneseindrücke werden in Worte gefasst und auf dem Verkostungsbogen oder Notizblock festgehalten. Danach folgt eine gemeinsame kurze Diskussion, Ergebnis ist ein gesammelter Geschmackseindruck.
4.1.) Benennen
Als Erstes werden auf dem Verkostungsbogen alle verfügbaren Informationen über das jeweilige Bier eingetragen, beginnend mit Name, Sorte, Hersteller, Alkoholgehalt, Stammwürze, evtl. Jahrgang und weiteren Details. Bei einer Blindverkostung wird dieser Schritt natürlich ausgelassen!
4.2.) Sehen
Ist alles eingetragen nimmt man sich das Glas zur Hand, betrachtet es von allen Seiten (wenn nötig auch in's Licht halten) und beschreibt Farbe, Klarheit und den Schaum.
Farbe: Bierfarben reichen von farblos bis deckend schwarz. Dazwischen ist fast alles möglich - von einem hellen, transparenten Gelb über Orangetöne und Bernsteinfarben bis hin zu Brauntönen in allen Varianten. Biersommeliers verwenden zur Charakterisierung von Farben ein bestimmtes Vokabular, welches den "Farbeindruck" wiedergibt, und Farbskalen, in denen die Farbwerte mit Zahlen ausgedrückt werden.

Klarheit: Dann wird festgestellt, ob ein Bier klar oder trüb ist. Es ist vom Bierstil und vor allem vom einzelnen Bier abhängig, ob Klarheit beziehungsweise Trübung erwünscht ist. So muss ein Kristallweizen oder Pils klar, ein Zwickl oder ein Hefeweizen trüb sein. Größtmögliche Klarheit wird mit dem Wort „glanzfein“ bezeichnet.
Schaum: Zum Unterschied zu anderen, zum Teil ebenfalls hervorragenden Bierkulturen, wie etwa jener in England, haben wir es in Österreich fast immer mit Bieren zu tun, die einen schönen Schaum haben sollten. Und: nur Bier hat etwas so optisch und haptisch Attraktives wie den Schaum. Beim Verkosten wird die Menge des Schaums, die Größe seiner Poren und seine Stabilität notiert. Auch die Farbe des Schaums wird festgestellt.
4.3.) Riechen
Als nächstes riecht man am Bier und beschreibt die Duft-Eindrücke. In der Regel haben wir mehr Geruchseindrücke als Worte - schon alleine deshalb lohnt es sich, das Verkosten zu trainieren. Üblicherweise scheitert man nämlich nicht am Wahrnehmen, sondern am Benennen der Düfte. Das Verkosten in einer Freundesrunde macht darum auch viel Spaß, denn meistens findet wenigstens eine Person das richtige Wort für den wahrgenommenen Duft.
Interessanter Zusatz: Viele Geschmäcker sind eigentlich Düfte! Die zahlreichen Rezeptoren der Nasenschleimhaut arbeiten auch, wenn man bereits einen Schluck Bier im Mund hat, also nicht nur, wenn daran gerochen wird. Der eigentliche Geschmackssinn umfasst nur fünf verschiedene Varianten: süß, sauer, bitter, salzig und umami.

4.4.) Schmecken
Jetzt endlich darf ein Schluck genommen werden - diesen schön im Mund verteilen. Folgende Eindrücke werden beschrieben:
Mundgefühl: Ein Bier ist entweder wässrig (das ist das eine Ende der Skala) oder am anderen Ende mastig bzw. breit. Dazwischen liegen zwei weitere Konsistenzen: "schlank" und "vollmundig". Manche Biere machen richtig "Druck" am Gaumen!
Balance zwischen Hopfen und Malz: Fast immer ist es für die Qualität eines Bieres ausschlaggebend, ob diese beiden Komponenten im sinnlichen Ausdruck miteinander harmonieren. Es kann ganz wunderbar sein, wenn die Herbe, welche der Hopfen dem Bier schenkt, dafür sorgt, dass die Extraktstoffe des Malzes das Bier nicht breit oder plump wirken lassen.
Rezenz ist ein Bier-Fachwort, das man als "Frischeeindruck" übersetzen kann. Dank der Rezenz empfinden wir prickelnden Genuss, den wir dank der im Brauprozess entstandenen Kohlensäure und durch Inhaltsstoffe erleben, die meist vom Hopfen, manchmal auch vom Malz herkommen.
Bittere: Angenehme Bittere wird den Bieren vornehmlich durch Hopfengaben verliehen. Jeder Bierstil hat "seine" Bittere (Ausnahmen gibt es natürlich auch hier). Im Allgemeinen kann man sagen: Weißbiere sind eher mild gehopft, Märzenbiere mittel und ein richtiges Pils sollte sehr gut gehopft sein. Die Bittere wird in Bittereinheiten (BE) angegeben. Im Allgemeinen haben Weißbiere rund 12 BE, Märzenbier rund 20 BE, ein echtes Pils sollte rund 30 BE haben. Stouts und andere angloamerikanische Bierstile wie Ales weisen auch 40 bis 70 oder noch mehr BE auf.
Nachtrunk: Der Abgang gehört zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines Bieres. Er sollte einerseits der krönende Abschluss eines harmonischen Bogens sein und andererseits auch ein Eigenleben haben. Ganz allgemein kann man sagen, dass ein langer Nachtrunk besser ist als ein kurzer
5.) Für Fortgeschrittene: geschlossene Verkostung
Fortgeschrittene verkosten innerhalb einer Biersorte: kaufen Sie 4 bis 8 verschiedene Biermarken einer Sorte, am besten jede von einer anderen Brauerei. Alles anderes siehe oben.
6.) Bierprobe für Profis: Blindverkostung
Kaufen Sie 4 bis 8 verschiedene Biermarken und/oder -sorten. Verdecken Sie die Gläser mit einer Banderole oder nehmen Sie dunkle Gläser, so dass die Farbe des Bieres nicht sichtbar ist. Beschreiben können Sie dann natürlich "nur" noch Geschmack und Geruch der Biere. Am Ende folgt die Auflösung, die oft sehr überraschend sein kann.
Variante: Sie machen 2 Durchgänge - beim ersten Durchgang erfahren die Teilnehmer die Biermarken, der zweite Durchgang ist eine Blindverkostung, wobei die Reihenfolge der Proben vertauscht wird. Ziel ist es, bei der Blindverkostung soviele Proben wie möglich richtig zu benennen.

7.) Unsere Kooperation mit Bier-Index
Wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, ganz Österreich Zugang zu den besten Bieren von österreichischen Privatbrauereien zu verschaffen. Insbesondere wollen wir dabei auch den Fokus des sensorischen Bier-Verkostens in den Vordergrund rücken. Was beim Wein schon seit Langem usus ist, kann und soll schließlich auch für hochwertiges Bier gelten. Wir sind deshalb eine Kooperation mit Bier-Index eingegangen: auf dieser genialen Plattform kann jeder registrierte Benutzer Rezensionen über Bier veröffentlichen, dabei Punkte sammeln und diese gegen myBier.at Guscheine einlösen.
So einfach geht's:
1.) Auf Bier-Index registrieren
2.) Bier verkosten (verwenden Sie dazu am besten den Verkostungsbogen) & Rezensionen verfassen - der individuelle Punktepolster wächst sehr schnell an
3.) Hier erhalten Sie einen Überblick über Ihr Punktekonto: Bonus
4.) Haben Sie genug Punkte gesammelt, können Sie diese gegen Gutscheine einlösen





